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Diese Chronik wurde im Zusammenhang mit dem 100jährigen Bestehen geschrieben.

2014 zum 125 jährigen Jubiläum wurde sie neu erarbeitet und um weitere 25 Jahre Vereinsgeschichte erweitert. Diese werden noch aufgearbeitet und bald auch auf dieser Seite erscheinen. 

Wer Interesse daran hat kann uns gerne kontaktieren und wir können Ihnen eine Festschrift mit dieser Chronik gerne zukommen lassen.

 

 

Chroniken DRK Nußbaum

 

 

Seit 110 Jahren finden sich Frauen und Männer zusammen, um unter dm Zeichen des Roten Kreuzes für ihren Nächsten hilfreich tätig zu sein.

110 Jahre Ortsverein Nußbaum sind Zeugnis der Richtigkeit einer Idee, der Idee des Schweizers Henry Dunant eine Organisation ins Leben zu rufen, die sich der Menschlichkeit der selbstlosen und unparteiischen Hilfe für Notleidende verschrieben hat.

 

Tief erschüttert vom persönlichen Eindruck auf dem Kriegsschauplatz von Solferino, südlich vom Gardasee 1859, wo es innerhalb weniger Stunden tausende Tode und Verwundete gab, organisierte er im Jahre 1864 die berühmten Genfer Konvention, in deren folge das Rote Kreuz gegründet wurde.

Zuvor gab es bereits schon den landesweiten badischen Frauenverein. Dessen ähnliche Bemühungen auf das Jahr 1836 zurückgehen, als ein in der Tradition der badischen Schwesternschaft fortlebender Hilfsverein. So war es nun folgerichtig, dass dieser Frauenverein dem Genfer Abkommen vom 22.08.1864 beitrat, nachdem sich die badische Landesregierung an den Verhandlungen beteiligt hat.

 

Das DRK Nußbaum wurde als badischer Frauenverein im Roten Kreuz am 17. März 1889 von Herrn Pfarrer Wilhelm Ludwig gegründet. Den Anstoß zur Gründung gab eine Stiftung von Frau Lenz-Heymann aus Bern, welche 1000 Mark unter der Bedingung spendete, dass in der Gemeinde Nußbaum sich ein Frauenverein bilde.

Diesem sollte der genannte Betrag aber erst dann endgültig zufallen, wenn er Bestand habe. Nach dem Tode der Stifterin im Jahre 1903 gelangte der Verein durch die freundlichen Bemühungen des Herrn Stadtpfarrer Ludwig in Baden-Baden in endgültigen Besitz des Vermächtnisses, während er bis dahin nur die Zinsen desselben erhielt.

 

Der Vereinszweck ist in erster Linie Armen und Krankenpflege, besonders die Unterstützung bedürftiger Wöchnerinnen; fernen Unterstützung der Kleinkinderschule sowie Kurse für Frauen in Kochen, Bügeln und anderen weiblichen Hausarbeiten. 

Die Einnahmen des Vereins bestehen aus den Zinsen des Stiftungskapitals und den Beiträgen der Mitglieder sowie Geschenken.

Vom Jahre 1889 - 1902 war Frl. Marie Ludwig Vorsitzende des Vereins; 6 Frauen waren Vorstandsmitglieder und Herr Pfarrer Ludwig war Beirat. Die Zahl der Mitglieder betrug bei der Gründung des Vereins 20 und stieg bis zum Jahre 1905  auf 31.

 

Seit dem Jahre 1902 bis 1917 war Frau Pfarrer Johanna Knausenberger Vorsitzende des Vereins. Es wurden etliche Koch und Bügelkurse abgehalten. Aus Kassenberichten ist zu entnehmen dass 60% der Beiträge für Konfirmanden abgeführt wurden. Ausserdem wurden an Weihnachten bedürftige mit selbsthergestellten Strickwaren beschenkt.

Ausserdem wurden in über die Kriegsjahre 1914 -  1918 Päckchen für Kriegsverwundete gerichtet und nach Karlsruhe verschickt.

Von 1917 bis 1920 wurde der Vorsitz des Vereins von Marie Knausenberger übernommen. 

 

Danach wurde der Frauenverein bis 1935 von der Pfarrersfamilie Anna, Lydia und Julie Meerwein fortgeführt.

Ab 1935 bis ins Jahr 1950 in den Händen von Pfarrer Hilde Goos, also 15 Jahre in Zeiten von Krieg und Armut gab es wiederum sehr viel für den Nächsten zu tun. Von November 1937 bis Juni 1938 wurde in Nußbaum ein Schwesternhelferinnenkurs durchgeführt, an dem 12 Frauen ausgebildet wurden. Während des 2. Weltkriegs wurde das Rote Kreuz an der Front und im Heimatdienst eingesetzt. So z.B. Ottilie Sulzer geb. Bischoff die im Krankenhaus in Winnenden eingesetzt war.

Nach dem verheerenden Bombenangriff auf Pforzheim, kamen mehrere Lastwagen mit Verletzten auch nach Nußbaum, ca. 30 Personen wurden damals vom Ortsverein in der Kinderschule betreut, der kurzerhand zum Lazarett Nußbaum umfunktioniert wurde.

Am Ende des Krieges wurde die Betreuung von Ausgebombten und Flüchtlingen immer wichtiger. Nach dem 8. Mai 1945 kennzeichnen Obdachlosigkeit, Hunger und Flüchtlingselend nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches die Lage unseres Landes. Die ehemaligen Länder Baden und Württemberg sind jetzt aufgeteilt in eine amerikanische und zwei französische Besatzungszonen. In der französischen Zone ist das Rote Kreuz anfangs verboten, im amerikanischen Sektor konnte die Rotkreuzarbeit weitergeführt werden.
Die Aufgabe des Roten Kreuzes bestanden bis zu Beginn der 50 Jahre vor allem in Schulspeisungen für unterernährte Kinder, Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene, Nachforschungen nach Vermissten, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. 

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im 23. Mai 1949 folgte am 4. Februar 1950 ein Zusammenschluss der 15 Landesverbände vom Roten Kreuz zum Deutschen Roten Kreuz (DRK).

In der Zeit 1950 - 1957 ist es im Verein sehr ruhig geworden, es gab keine besonderen Vorkommnisse.

Während des 2. Weltkrieges bestanden bereits sehr gute Verbindungen von Herrn August Vollmar zur damaligen Leiterin der Frauengruppe, Frau Hilde Goos. Ferner bestanden durch Vollmar in dieser Zeit auch sehr gute Beziehungen zum Altbürgermeister Adolf Bischoff, der mehrmals mit der Bitte an diesen herangetreten ist, das Rote Kreuz in Nußbaum wieder zu aktivieren, bzw. aufzubauen. Nachdem Kontakte zu Geschäftsstelle in Pforzheim geknüpft wurden, war es im Oktober 1957 soweit, ein DRK Ortsverein Nußbaum wurde neu gegründet.

 

Dazu ein original Pressebericht der Pforzheimer Zeitung:

„Der seit Sommer laufende Kurs für Rotkreuz Helfer und Helferinnen fand mit Ablegung der Rotkreuzprüfung und gleichzeitiger Neugründung des Rotkreuz-Ortsvereins Nußbaum seinen Abschluss. Im festlich geschmückten Rathaussaal waren am Samstag zu dieser Feierlichkeit zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens erschienen. Als Ehrengäste konnte August Vollmar, Obermedizinrat a.D. Dr. Geißler, Kreisbereitschaftsleiter Kiefer, Kreisbereitschaftsleiterin Frau Heinz, den Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes Herrn Dittus, Frl. Stakelbeck vom Krankentransport, sowie Bürgermeister Bischoff und den örtlichen Feuerwehrkommandanten Karl Bischoff begrüßen. Außerdem waren Vertreter der Ortsvereine Stein, Königsbach, Wilferdingen und Dürrn erschienen.

Dr. Wilhelm Burr aus Bauschlott und Herr Beil aus Pforzheim, die die Abendkurse leiteten, unterzogen die 25 Kursteilnehmer einer eingehenden Prüfung. Die Prüfungsergebnisse fielen zu allgemeinen Zufriedenheit aus, so dass zum Schluss 23 Kursteilnehmer durch Aushändigung eines entsprechenden Ausweises als Rotkreuzhelfer geehrt wurden.

Ausserdem wurde August Vollmar, dem Zugführer und Leiter der hiesigen Ortsgruppe ernannt. Für gute Unterhaltung sorgte eine 3 Mann Kapelle aus den Reihen der Rotkreuzhelfer.“
Pforzheimer Zeitung im Oktober 1957

Schon im darauf folgenden Jahr nahm der Ortsverein an einem Wettbewerb in Wilferdingen teil und erhielt eine Ehrenurkunde.

Damals erkannte man frühzeitig, dass auf Dauer nur eine funktionierende Jugendarbeit die Keimzelle für die Aktiven im Ortsverein bilden kann. Unter diesem Aspekt gründete der Ortsverein Nussbaum im Jahre 1961 ein Jugendrotkreuz.

Aus diesem Kreise sind noch heute Helfer/innen im DRK tätig.

Immer wieder wurden Kurse in Sofortmassnahmen am Unfallort und in Erster Hilfe für die Bevölkerung angeboten. Unser Ehrenmitglied Herr Dr. Wilhelm Burr war jahrelang ärztlicher Leiter bei den stattgefunden Sanitätslehrgängen für die Aktiven Helfer.
Im Jahr 1963 wurde unter Leitung des Ortsvereins Nußbaum und sehr guter Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst die erste Schnelleinsatzgruppe an der Autobahn Raststätte Pforzheim Ost ins Leben gerufen. Dort versahen dann am Wochenende Helfer aus den Ortsvereinen Nußbaum, Eutingen und Niefern ihren Dienst.

 

Immer wieder versehen die Rotkreuzhelfer Sanitätsdienste. Beispiele hierfür z.B. Strassenfeste, Flugtage, Sportveranstaltungen, bei der Landesgartenschau in Pforzheim 1 komplette Woche, sowie Sanitätsdienst im Stadttheater Pforzheim.

 

Auch zu akuten Notfällen in Nußbaum werden wir immer wieder gerufen. Über die Rettungsleitstelle werden die Helfer schnell alarmiert, um Sofortmassnahmen durchzuführen bis der Rettungsdienst eintrifft.

Der DRK Bereichsentscheid für Bereitschaften fand 1987 in der Nußbaumer Schule statt. Gruppen aus dem Enzkreis, Böblingen und Ludwigsburg waren anwesend um ihr Können in Theorie und Praxis zu zeigen.

Auch gesellig kommen die Helferinnen und Helfer nicht zu kurz. Das vom Kreisverband Pforzheim organisierte Fussballturnier der Bereitschaften wurde schon 2 mal im Schlettichstadion ausgetragen.

Zum 1. Faschingsball am 18.2.1984 lud der Ortsverein alle Narren in die Aula der Schule ein. Eine Wiederholung gab es 1987 an gleicher Stelle.

Das erste Rotkreuz Fest in Nußbaum fand am 10. Juli 1968, am Tag des Tornados über Pforzheim, im Tabakschuppen statt. Viele Feste folgten in den darauf folgenden Jahren, darunter auch einige in der Dreschhalle.

An den Nußbaumer Backkorbfesten hat man kräftig mitgeholfen und im Hof von Familie Hirsch kräftig gefeiert. Begonnen hat alles am 28.8.1982. Die Erlöse aus diesen Backkorbfesten wurde für den geplanten Hallenbau der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Im Oktober 1989 konnte das 100 jährige Vereinsjubiläum in der damals frisch übergebenen Veranstaltungshalle begangen werden. Umrahmt wurde die Feier durch Auftritte der Chorgemeinschaft Nußbaum, des Musikvereins Kieselbronn, der Tanzgruppe Harlekin aus Büchenbronn sowie diversen Darbietungen von Kleinkünstlern. Ausserdem wurden etliche Mitglieder für langjährige Zugehörigkeit beim DRK geehrt. Am Sonntag fand in der Kirche ein Festgottesdienst statt, dem anschliessend eine Totenehrung auf dem Friedhof folgte. Montags wurden die Nußbaumer Senioren zu einem bunten Nachmittag eingeladen. Ausserdem zeigte man bei einer Übung mit der Nußbaumer Feuerwehr sein können.

Im April 1990 wurde die Kreisdelegiertenversammlung in Nußbaum abgehalten, wo dich über 150 Delegierte der Ortsvereine aus dem Enzkreis in Nußbaum aufhielten. 

Im Oktober 1990 konnten 2 Räume in der Nußbaumer Schule bezogen werden, die seither das Rotkreuz Heim bilden. Bisher wurden die Übungsabende im alten Rathaussaal und anschliessen in Klassenzimmern der Grundschule abgehalten.

 

 

Am 9 November 1991 wurde das Jugendrotkreuz neu gegründet. Unter der Leitung von Reiner Roth und Lothar Vollmar hatte sich schnell ein Stamm aus über 30 Jugendlichen gefunden. Die Leitung übernahm nach Lehrgängen Andrea Vollmar. Aufgabe ist es, die Jugendlichen an die Rotkreuzarbeit heranzuführen. Schon im Dezember 1991 wurden die Nußbaumer Senioren besucht und kleine Geschenke überreicht. Seit 2 Jahren werden die Senioren zur Weihnachtsfeier in die Halle eingeladen. Bei mehreren Wettbewerbern auf Kreisebene hat man erfolgreich teilgenommen, 2 mal ist man zum Baden Württemberg Entscheid weitergekommen und hat sehr gute Plätze belegt. Große Beliebtheit bei den Jugendrotkreuzlern ist die Sommerfreizeit in der man sich eine Woche lang in einer Jugendherberge verwöhnen lässt. Ausserdem nimmt man an Veranstaltungen auf Kreis- und Landesebene teil, wie Radtouren und Fun Olymics und der beliebte Jugendrotkreuztag in Kirchheim Teck. Einige der Jugendlichen haben schon verschiedene Lehrgänge besucht, Gruppenleiter oder realistische Unfalldarstellung. Das Jugendrotkreuz besteht aus 3 Gruppen mit verschiednen Altersstrukturen. Treffpunkt ist Montags in den DRK Räumen in der Schule.

2 mal jährlich findet ein Kinderkleinder Second Hand Markt in der Hall statt.

1995 war eine englische Jugendrotkreuz Delegation aus Leeds eine Woche lang zu Gast im Enzkreis. Unterbringung und Bewirtung lag in den Händen der Nußbaumer JRKler.

Ein Jahr später nahm der Kreisverband Pforzheim mit Jugendlichen der Rot Kreuz Partnerstadt Pecs in Ungarn Kontakt auf. 

Auf einem 3 wöchigen Besuch der Ungarn in Nußbaum wo sehr viel unternommen wurde, einschliesslich einem Empfang bei Herrn Bürgermeister Raißle, folgte das Jahr darauf ein Gegenbesuch in Pecs. 7 Jugendliche aus Nußbaum sowie einige aus anderen Jugendgruppen verbrachten 2 tolle Wochen im südlichen Ungarn.

 

Die Aktiven treffen sich am Ersten Montag im Monat zum Kammeradschaftsabend wo Aus- und Weiterbildung im Sanitätswesen stattfinden.

Der Ortsverein Nußbaum hat im Jahr 1998, 18 Aktive und ca. 50 passive Mitglieder.

Es steht reichlich Sanitätsmaterial für den Notfall bereit, wie 2 Notfallkoffer, Tragen, Decken, Unterkunftszelte, 1 Notstromaggregat, Verbandkoffer und verschiedene Kochgeräte.
Bei Übungen mit der örtlichen Feuerwehr kann das erlernte gezeigt werden. 

Die Erste Hilfe am Notfallort ist eine wichtiges Glied in der Rettungskette, weil die nachfolgenden Massnahmen durch den Rettungsdienst und die Krankenhäuser häufig nur noch möglich sind, wenn am Unfallort die lebenserhaltenden Massnahmen der Ersten Hilfe rechtzeitig und richtig angewandt werden. 

 

Literatur: Geschichte des badischen Frauenvereins 1859 - 1906

Schriftführerbuch Frauenverein 1906 -  1936

Festlaudatio 100 Jahre DRK, Walter Sulzer

 

Verfasst von Lothar Vollmar im Dezember 1998